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| Die Kleine Funkenburg |
* 1850 – U 2005 |
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1905 |
12. Mai 2005 |
23. Mai 2005 |
25. Mai 2005 |
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| Stimmen zum
Abriss der Kleinen Funkenburg |
| Rosa Loy & Neo Rauch, Leserbrief an die LVZ vom 18. Mai 2005 |
Es ist von nun an kaum noch möglich davon auszugehen, dass sich unser baukulturelles Erbe im Verfügungsbereich verantwortungsbewusst handelnden Personals befindet.
Der Abriss der Kleinen Funkenburg erscheint als freudloser Triumph eines kurzsichtig eindimensionalen ökonomisch- dynamischen Denkens über die Einwände derer, denen sich die kulturhistorische und atmosphärische Besonderheit des Ortes derart zwingend erschließt, dass Ihnen der Angriff auf das Bauwerk als purer Vandalismus erscheinen muss.
Es wird deutlich, dass die Planer in Ihrem Handlungsspielraum durch die unumkehrbare Starrheit demokratischer Entscheidungsfindungsprozesse derartig eingezwängt sind, dass Ihnen zur Vollstreckung des Todesurteils trotz offenkundiger Unschuld des Delinquenten keine Alternative bleibt.
Die Hoffnung auf Auflösung dieser Zwangsläufigkeit durch eine souveräne Entscheidung des Stadtoberhauptes hat sich nun zerschlagen.
Wie auch immer; als Referenzobjekt für Karrieresprünge zu anderen Metropolen hin dürfte sich diese Zerstörungstat für die Verantwortlichen kaum eignen, denn Grobschlächtigkeiten Leipziger Zuschnitts sind international allgemein unüblich geworden.
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| „Die Welt“, Donnerstag, 19. Mai 2005 |
Leipzigs Erbe
Originale
Nun wüten die Bagger. Auf die Minute haben die Bürgervereine Leipzigs den Augenblick festgehalten, an dem der Abriss der „Kleinen Funkenburg“ an der Jahnallee begann: 17. Mai 2005, 14 Uhr. Wenn man den Rundfunksendungen, Veröffentlichungen, Bürgerinitiativen und Internetseiten des Waldstraßenviertels in Leipzig glauben kann, trägt ein ganzer Stadtteil Trauer. Um das markante, aber Leerstehende Biedermeierhaus hatte sich eine spezielle Stadtteilkultur entwickelt. Hier waren „Funkenburgfeste“ gefeiert worden, hier hatte sich das entwickelt, was Politiker in Sonntagsreden gern herbeiwünschen: privates Engagement, bürgerliche Courage, Identifikation mit dem Stadtteil und seinen geschichtlichen Zeugnissen.
Nach offizieller Lesart steht das Haus dem Verkehr und dem Flüsschen Elster im Wege, das die Stadt gern wieder aus dem Untergrund hervorholen möchte. Doch seine Anhänger bestreiten beides. Und sie warnen davor, dass die (weitere) Verbreiterung der an dieser Stelle ohnehin schon weiten Jahn-Allee zusätzlichen Verkehr in das dicht bewohnte hochherrschaftliche Waldstraßenviertel locken werde, das mit seinen gründerzeitlichen Prachtfassaden den ganzen Stolz seiner Bewohner bildet.
Zahlreiche Prominente wie Neo Rauch, Erich Loest und Arno Ring engagieren sich, Gutachter wurden bestellt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eingeschaltet - mit dem Kurator Nils Gormsen an der Spitze. Dieser hatte als erster Planungsdezernent Leipzigs nach der Wiedervereinigung die Rettung der zu DDR-Zeiten heruntergewirtschafteten Gründerzeitquartiere durchgesetzt. Noch einen Tag vor Beginn der Abbrucharbeiten trafen die letzten Expertisen ein. „Der 1850 von Carl Wilhelm Naumann errichtete Bau gehört zu den inzwischen außerordentlich wichtigen Zeugnissen spätklassizistischer und damit vorgründerzeitlicher Mietshausarchitektur“, heißt es im Gutachten der TU Dresden. „Der kleinen Funkenburg“, so das Resümee, „kommt eine erhebliche und über Leipzig hinausweisende bau- und kulturgeschichtliche Bedeutung zu.“
Möglicherweise waren es just diese Gutachten in allerletzter Minute, die gestern schon wieder zu einem Stopp der Abbrucharbeiten führten. Doch selbst wenn die Funkenburg gerettet würde: Der Aufruhr in der Stadt wird weitergehen. Neugegründete Bürgervereine streiten für 2500 einsturzgefährdete Gründerzeithäuser im Stadtgebiet und befürchten, dass der Freistaat jetzt genau dort weitermacht, wo die Revolution von 1989 den Kahlschlagideologen der SED in den Arm gefallen war. Für 30 000 Bürger, die aus den Randbezirken in die Leipziger Innenstadt zurückgekehrt sind, wäre es wie ein Verrat.
Dankwart Guratzsch
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| FAZ, Samstag, 21. Mai 2005, Nr. 116 / Seite 33 |
Es geht auch ohne Ulbricht: Leipzig reißt ab
Am 17. Mai um 14 Uhr erfolgte in Leipzig jener Paukenschlag, der schon hätte tönen müssen, als der Bund sein Projekt „Stadtumbau Ost“ vorstellte, das nur nominell Stadtreparatur, realiter aber Stadtverheerung ist. Zu diesem Zeitpunkt nämlich begann der Abriss der so genannten Kleinen Funkenburg, eines spätklassizistischen Großbaus am Rande der Innenstadt, der einer Straßenbahnhaltestelle und dem vierspurigen Ausbau einer Verkehrsachse weichen muss.
Aus allgemeinem Widerwillen (F.A.Z. vom 7. März) wurde während der vergangenen Wochen helle Empörung: Architekten, Denkmalpfleger, Intellektuelle und Künstler, darunter Neo Rauch, Erich Loest und Arno Ring, auch der frühere Planungsdezernent Nils Gormsen, protestierten gegen das Vorhaben, präsentierten Gutachten, formulierten offene Briefe an Leipzigs Oberbürgermeister und das Planungsamt. Ganz Leipzig wusste zuletzt, dass die denkmalgeschützte, 1850 erbaute Kleine Funkenburg ein seltenes Beispiel spätklassizistischer Mietshausbaukunst darstellt, dessen Bedeutung weit über Leipzig hinausreicht. Und jedermann konnte sehen, dass die eigenwillige Platzierung des Gebäudes der im übrigen öden Verkehrsachse einen optisch und städtebaulich reizvollen Schwung abzwang.
Trotz erhaltener Originalinterieurs und spätklassizistischer Malereien dröhnt nun die Abrissbirne. Nach einem Zwischenstopp und dem energischen Entfernen von Protestanten seitens der Polizei gehen die Arbeiten voran. Die Sturheit der Verantwortlichen hat zu Extremreaktionen wie der von Lokalzeitungen geführt, die Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensees Handeln mit der notorischen Abrisswut Walter Ulbrichts vergleichen und ihm einen „Ehrenbart“ verliehen. Der Vergleich ist falsch. Denn der jetzige Abriss hat nichts mit Ulbrichts kleinbürgerlich fanatischem Hass auf „bürgerliche Kultur“ zu tun. Wohl aber mit jenem Fanatismus, der schon in den fünfziger Jahren den verheerenden „Aufbau West“ befallen hatte. Auch damals fielen im Namen der Verkehrsgerechtigkeit und des Machbaren reihenweise wertvolle Altbauten. Vielleicht stören die Schläge der Leipziger Abrissbirne endlich all jene auf, die noch immer glauben, der „Stadtumbau Ost“ sei wirklich einer.
bat. |
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| Stadtforum Leipzig, 21. Mai 2005 |
Neues Rathaus, 04092 Leipzig
Absender:
Stadtforum Leipzig für behutsamen Stadtumbau
Gustav-Adolf-Straße 17
04105 Leipzig
stadtforumleipzig@web.de
www.stadtforum-leipzig.de
Leipzig, den 21. Mai 2005
Fraktionssitzung am 25. Mai 2005
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach interner Diskussion hat sich das Stadtforum entschlossen, keinen Vertreter zur öffentlichen Fraktionssitzung am 25. Mai 2005 zum Thema Stadtumbau zu entsenden. Die gegenwärtig durch die Leipziger SPD getragene Stadtentwicklungspolitik lässt aus unserer Sicht bedauerlicherweise keine Basis für eine Zusammenarbeit mit dem Stadtforum erkennen.
Zu dieser Einschätzung gelangen wir insbesondere nach Lektüre des Schreibens des Fraktionsvorsitzenden Herrn Dr. Fischer an das Stadtforum vom 18. April 2004. Die darin zum Ausdruck kommende vorbehaltlose Unterstützung des durch die Stadtverwaltung betriebenen Ausbaus der Jahnallee unter Beseitigung des Baudenkmals „Kleine Funkenburg“ dokumentiert leider in aller Deutlichkeit eine Ignoranz gegenüber dem Bürgerwillen und einen erschreckenden Mangel an kultureller Verantwortung. Ungeachtet der Einwände der betroffenen Anwohner und Geschäftsleute sowie der Proteste von Denkmalschützern, Architekten und zahlreichen Bürgern wird stur eine auf Machbarkeit ausgerichtete, im Detail jedoch vollkommen fragwürdig und oberflächlich begründete Planung verteidigt. Wir geben in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass nicht jede demokratisch legitimierte Entscheidung auch zwangsläufig richtig sein muss und Kritik daran bzw. jedem Bürger zustehende Rechtsmittel dagegen als „schlechter Stil“ abqualifiziert werden kann. Gerade auf dem Gebiet der Stadtentwicklung lässt sich feststellen, wie sich – etwa im Fall des Abbruches des Braunschweiger Schlosses – juristisch einwandfrei zustande gekommene Beschlüsse im Nachhinein als fatal falsch erwiesen. Vor dem Hintergrund der mittlerweile allgemein verbreiteten Erkenntnis über die Verfehlungen der Verkehrspolitik der 1950er bis 1970er Jahre und des Bemühens, die durch diese Verfehlungen entstandenen unwirtlichen Orte heute wieder stadträumlich zu fassen – als aktuelle Beispiele seien hier der Domplatz in Hamburg und der Spittelmarkt in Berlin genannt – erscheint die geplante Begradigung der Jahnallee als unverständlicher Rückfall in längst überholte Konzepte.
Aus unserer Sicht stellt sich die Frage, ob Sie, sehr geehrte Damen und Herren, die hier zum Ausdruck kommende Fehlentwicklung der Stadtplanung als Stadträte wirklich mittragen wollen. Im Hinblick auf die mittlerweile vorliegenden eindeutigen Gutachten zur Denkmalwürdigkeit und zur stadträumlichen Bedeutung der „Kleinen Funkenburg“ und angesichts der Ihnen sicherlich nicht entgangenen, weit über Leipzig hinaus reichenden Proteste gegen den Abriss, der den Ruf Leipzigs als Kulturstadt beschädigt, können wir nur unsererseits eine Überprüfung des Stadtpunktes Ihrer Fraktion anregen.
Für das Stadtforum Leipzig
Alexander Khorrami
Stefan Riedel |
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| Waldstraßenviertel NACHRICHTEN Nr. 74, Juni/Juli 2005 |
Alles umsonst?
Jetzt sind die Fakten geschaffen. Die Kleine Funkenburg ist Geschichte. Selbst die persönlichen Briefe an jeden einzelnen Stadtrat mit einem aktuellen Gutachten zum Wert des Denkmals führten nicht zum Umdenken. Auch der letzte Vorstoß im Stadtrat hätte zumindest die Unterstützung des Oberbürgermeisters gebraucht, um eine Neubewertung der Sachlage zu erreichen. Fassungslos, ohnmächtig und wütend gilt es jetzt für die Zukunft die Weichen so zu stellen, dass sich Leipzig weiter mit dem Titel „Bürgerstadt“ schmücken kann.
Klage geht weiter
Die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht hatte jedoch in erster Linie die Verkehrsbelastung der inneren Jahnallee von Thomasiusstraße bis Waldplatz im Blick. Die Erhaltung der Kleinen Funkenburg wäre ein positiver Effekt dabei gewesen. Denn wenn die innere Jahnallee nicht zusätzlich belastet werden darf, braucht man auch einige Meter davor keine vierspurige Straße. Durch den Verlust der Kleinen Funkenburg ist das wichtige Thema innere Jahnallee und ihre Funktion als Geschäftsstraße noch lange nicht vom Tisch.
So ist die Klage des Ökolöwen beim Bundesverwaltungsgericht trotz Abweisung der Eilanträge weiter anhängig. Dadurch können einige Punkte, wie die Schwierigkeiten mit dem Funktionieren eines Luftreinhalteplanes für eine vierspurige Trasse in der inneren Jahnallee, auf die das Gericht im Eilverfahren nicht eingegangen ist, weiter verfolgt werden. Auch hat das Gericht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Forderung des Ökolöwen in Bezug auf den Ausgleich der gefällten Bäume gewisse Erfolgschancen hat.
Kläger aus der Jahnallee
Die inhaltlich mit der Klage des Ökolöwen übereinstimmenden Klagen eines Ladenbesitzers und eines Hauseigentümers wurden vom Gericht zurückgewiesen. Beide Parteien waren stellvertretend für viele andere Eigentümer und Gewerbetreibende aufgetreten, aber am Einspruchsverfahren beim Regierungspräsidium noch nicht beteiligt gewesen. Deshalb wurden diese Klagen nicht anerkannt.
Leider wurden die vielen Geschäftsleute, die beim Regierungspräsidium in Einspruch gegangen waren, von der rigorosen Ablehnung ihrer Bedenken so sehr abgeschreckt, dass sie keine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht wagten. Der Bürgerverein übernahm die Koordination der Personen, die bereit waren, die Klagen einzureichen. Ihnen wurde zugesichert, dass die Interessengemeinschaft gegen den vierspurigen Ausbau der Jahnallee die Kosten der Klage übernehmen würde. Also wurden bei Anwohnern und Geschäftsleuten Spenden dafür eingeworben.
Durch die Erhebung förmlicher Klagen konnte deutlich gemacht werden, dass gegen den Ausbau in der geplanten Form zahlreiche ernst zu nehmende Interessen von Anwohnern und Gewerbetreibenden stehen. Politik und Verwaltung haben sich dadurch erstmals damit auseinandergesetzt, dass die gesetzeskonforme Luftschadstoffbelastung gerade in der Jahnallee absolut dringlich ist.
Zudem wurde die existentielle Wichtigkeit von Haltemöglichkeiten für Kunden in der Jahnallee genauso deutlich gemacht, wie die Frage, wie die Jahnallee als Geschäftsstraße eine Zukunft haben kann. Im Zusammenhang mit den Klagen wurden Gespräche mit allen Stadtratsfraktionen geführt, die zu zwei neuen Stadtratsvorlagen (CDU und PDS) führten, die die genannten Punkte thematisieren.
Es müssen gemeinsam mit den Stadträten und ihren Fraktionen Wege erarbeitet werden, wie bei solch einschneidenden und umfangreichen Vorhaben noch Korrekturen an der Beschlussfassung eingebracht werden können. Gerade die neuen EU-Richtlinien zur Feinstaubbelastung erfordern eine neue Beurteilung auch bereits in Planung oder Bau befindlicher Projekte.
Für die innere Jahnallee bedeutet dies, dass dort wegen der zu erwartenden Schadstoffbelastung der Durchgangsverkehr nicht im geplanten Maß erhöht werden darf. Außerdem war vielen Stadtverordneten zum Zeitpunkt der Abstimmung über das Projekt Ausbau Jahnallee / B 87 nicht klar, dass auch alternative Lösungen möglich sind, die den Erhalt der Kleinen Funkenburg ermöglicht hätten und welche Bedeutung diesem Denkmal tatsächlich zukommt.
Konzentration auf die innere Jahnallee
Da die Klage des Ökolöwen noch immer gewisse Erfolgschancen hat, gibt es für die innere Jahnallee die Möglichkeit für einen außergerichtlichen Vergleich, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden:
- eine deutliche Entlastung der inneren Jahnallee vom Pkw- und Lkw-Verkehr durch ein intelligentes Verkehrsleitsystem,
- Haltemöglichkeiten für Kunden in der inneren Jahnallee,
- die baldige Erarbeitung von Vorschlägen durch die Stadtverwaltung, wie die Jahnallee im Sinne der Funktion einer Geschäftsstraße aufgewertet werden kann und
- der Ausgleich der gefällten Bäume entsprechend der Leipziger Baumschutzsatzung (1:3).
Diese Forderungen sind sowohl im Sinne der Bewohner des Waldstraßenviertels, die ein Defizit an guten Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil beklagen, als auch der Geschäftsleute in der Jahnallee, die zurzeit berechtigt um ihre Existenzgrundlage fürchten.
Der Bürgerverein wird weiter als Gesprächspartner zur Verfügung stehen und Projekte zum Wohle der Bewohner und Geschäftsleute des Viertels unterstützen. Wer seine Interessen dabei ins Spiel bringen will, sollte die Zeit investieren, sich informieren und an den Gesprächen über Planungsvorhaben und Projekte teilnehmen. Viele Veranstaltungen des Bürgervereins geben dazu die Möglichkeit.
Barbara Baumgärtel / Norbert Dege |
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